Behandlungsmöglichkeiten

Möglichkeiten kennen.
Gemeinsam entscheiden.

Bewegung, Medikamente, Injektionen oder eine Operation: Verschaffen Sie sich einen Überblick und finden Sie die Fragen, die Sie mit Ihrer Praxis besprechen möchten.

Eine Therapeutin erläutert einem Patienten ein Kniegelenkmodell.

Ihre Fragen zählen.
Ihr Alltag auch.

Arthrose ist nicht heilbar, aber behandelbar — und die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage. Die Leitlinien beschreiben eine Abfolge: zuerst das, was Sie selbst tun, dann Medikamente, dann Injektionen, zuletzt die Operation.

Die deutsche S3-Leitlinie formuliert den Grundsatz an einer Stelle, an der man ihn nicht erwartet — in der Empfehlung zur nachhaltigen Versorgung:

Priorisierung ressourcensparender Behandlungsoptionen (bei Gleichwertigkeit der Therapie): Empfehlung nicht operativer Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Verhaltensanpassung und Gewichtsmanagement, bevor invasive Verfahren in Betracht gezogen werden.

S3-Leitlinie 187-050, Empfehlung 5

Die vier Stufen

  1. Wissen, Bewegung, Gewicht

    Das ist nicht die Vorstufe zur Behandlung, das ist die Behandlung. NICE nennt Bewegungstherapie und — wo es zutrifft — Gewichtsmanagement „the core treatments for the condition" (Empfehlung 1.2.2), und die S3-Leitlinie spricht hier ihre stärkste Empfehlung aus. Alles Weitere kommt dazu, nicht stattdessen.

    Die Gelenkschule · Ernährung und Gewicht

  2. Medikamente gegen den Schmerz

    Wenn Schmerzmittel nötig sind, dann laut NICE „alongside non-pharmacological treatments and to support therapeutic exercise" — in der niedrigsten wirksamen Dosis, so kurz wie möglich (Empfehlung 1.4.1). Die Reihenfolge, die beide Leitlinien beschreiben:

    • Zuerst aufs Gelenk auftragen: ein entzündungshemmendes Schmerzgel (topisches NSAR). NICE: „Offer a topical NSAID to people with knee osteoarthritis" (1.4.2).
    • Dann Tabletten, mit Bedacht: „Sofern topische NSAR unwirksam oder ungeeignet sind, schlagen wir vor, ein orales NSAR bei Gonarthrose zu verwenden" — unter Beachtung von Magen, Leber, Nieren, Herz und aller persönlichen Risikofaktoren (S3, Empfehlung 16). Bei erhöhtem Risiko für ein Magengeschwür gehört ein Magenschutz dazu (Empfehlung 17).
    • Paracetamol nicht routinemäßig: nur selten und kurzfristig, wenn alles andere nicht geht (S3, Empfehlung 18). NICE ergänzt: „there is no strong evidence of benefit for paracetamol" (1.4.5).
    • Schwache Opioide nur ausnahmsweise, starke gar nicht (S3, Empfehlungen 20 und 21).
  3. Injektionen ins Gelenk

    Kortison: Die S3-Leitlinie schlägt intraartikuläre Kortikosteroide „für eine kurzzeitige Therapie schmerzhafter Gonarthrosen" vor (Empfehlung 24). NICE beziffert das Kurzzeitige: Erleichterung für „2 to 10 weeks" (1.4.10).

    Hyaluronsäure — hierher gehört Crespine Gel: Hier sind sich die Leitlinien uneins. Die S3-Leitlinie kann „aufgrund der widersprüchlichen Evidenz keine Empfehlung" abgeben. NICE rät ab: „Do not offer intra-articular hyaluronan injections" (1.4.9). Die internationale OARSI spricht sich für das Knie bedingt dafür aus, die amerikanische AAOS gegen den routinemäßigen Einsatz. Fragen für das Gespräch mit Ihrer Praxis können Sie im Patientenbereich sammeln.

  4. Operation

    Bei fortgeschrittener Arthrose empfiehlt die S3-Leitlinie, die Indikation zum Gelenkersatz gemeinsam zu prüfen und vorher zu besprechen, „welche Ergebnisse erwartet werden können und welche nicht" (Empfehlung 12). Wann das in Frage kommt und was vorher geklärt gehört, steht auf der Seite zur Operation bei Arthrose.

Was die Leitlinien nicht empfehlen

Vieles, was bei Arthrose angeboten wird, ist nicht empfohlen — nicht, weil es bei niemandem helfen könnte, sondern weil die Belege dafür nicht reichen. Die deutlichsten Beispiele:

  • Akupunktur und Dry Needling
    NICE 1.3.8: „Do not offer acupuncture or dry needling to manage osteoarthritis."
  • Elektrotherapie — TENS, Ultraschall, Laser und andere
    NICE 1.3.9, „because there is insufficient evidence of benefit".
  • Einlagen, Orthesen, Tape als Routine
    S3-Leitlinie, Empfehlungen 31 und 32; NICE 1.3.11 nennt die Ausnahmen: Instabilität oder Fehlbelastung, wenn Bewegungstherapie allein nicht reicht.
  • Glucosamin
    S3-Leitlinie, Empfehlung 22: „Wir empfehlen nicht die Behandlung von Gonarthrosepatient*innen mit Glucosamin."
  • Stark wirksame Opioide
    S3-Leitlinie, Empfehlung 21; NICE 1.4.7: „the risks of strong opioids outweigh the benefits".
  • Gelenkspiegelung mit Spülung oder Glättung
    S3-Leitlinie, Empfehlung 45; NICE 1.7.1: „Do not offer arthroscopic lavage or debridement to people with osteoarthritis."

Wo Crespine Gel steht

Auf Stufe drei — und nicht davor. Ein Hyaluronsäurepräparat ersetzt weder die Gelenkschule noch die Klärung, ob Bewegung und Gewicht ausgeschöpft sind. Weitere Informationen für Ärztinnen und Ärzte finden Sie ohne Anmeldung im Fachkreisbereich.

Wenn Sie nur einen Schritt gehen: Fangen Sie bei Stufe eins an.

Zur Gelenkschule

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., Prävention und Therapie der Gonarthrose, S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 187-050, Version 5.0 vom 15.07.2024, Empfehlungen 5, 12, 16 bis 22, 24, 26, 31, 32, 34 und 45. National Institute for Health and Care Excellence, NICE guideline NG226, 19.10.2022, Empfehlungen 1.2.2, 1.3.8, 1.3.9, 1.3.11, 1.4.1 bis 1.4.10 und 1.7.1. OARSI 2019 und AAOS 2021 wie auf der Seite zur Hyaluronsäure belegt. Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch.

Gelenke verstehen

Passend dazu

Alle Videos

Ihr nächster Schritt

Den Alltag mitdenken.

Entdecken Sie die Gelenkschule: ein Überblick zu Bewegung, Sport und den Fragen, die Sie mit Ihrer behandelnden Praxis klären können.

Zur GelenkschuleZum Patientenbereich