Symptome & Diagnose
Beschwerden erkennen.
Klarheit gewinnen.
Was Ihre Gelenke Ihnen im Alltag zeigen, wie die Diagnose abläuft und welche Fragen Sie in die Praxis mitnehmen können. Finden Sie Ihren nächsten Schritt.
Den Alltag im Blick.
Den nächsten Schritt vor Augen.
Es beginnt selten dramatisch. Ein Knie, das nach dem Sitzen die ersten Schritte nicht mag. Eine Hüfte, die beim Schuhebinden zieht. Man gewöhnt sich daran — bis man merkt, dass man Wege anders plant als früher.
Diese Seite erklärt, woran Ärztinnen und Ärzte eine Arthrose erkennen, warum dafür nicht immer ein Röntgenbild nötig ist und welche Zeichen Sie nicht abwarten sollten.
Woran man Arthrose erkennt
Das Muster ist über die Gelenke hinweg ähnlich: Der Schmerz kommt mit der Belastung und geht mit der Ruhe. Am Anfang sind es die ersten Schritte nach dem Aufstehen, später längere Wege, Treppen, das Aufstehen aus tiefen Sesseln. Manche spüren ein Reiben oder Knirschen im Gelenk, viele werden mit der Zeit steifer. Erst in fortgeschrittenen Stadien tut das Gelenk auch in Ruhe und nachts weh.
Drei Merkmale, an denen die Diagnose hängt
Die britische Leitlinie NICE fasst zusammen, wann Arthrose ohne Bildgebung diagnostiziert werden kann. Treffen alle drei Punkte zu, gilt die Diagnose als klinisch gestellt:
45 Jahre oder älter
Arthrose ist eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte. Bei Jüngeren wird genauer hingesehen, ob nicht etwas anderes dahintersteckt.
Schmerzen bei Belastung
Beim Gehen, Treppensteigen, Aufstehen — nicht in Ruhe. Typisch sind die ersten Schritte nach dem Sitzen, die schwerfallen und dann leichter werden.
Keine oder kurze Morgensteifigkeit
Ein steifes Gelenk am Morgen, das nach höchstens einer halben Stunde wieder beweglich ist. Dauert die Steifigkeit deutlich länger, spricht das eher für eine entzündliche Erkrankung.
Diagnose osteoarthritis clinically without imaging in people who:
are 45 or over and have activity-related joint pain and have either
no morning joint-related stiffness or morning stiffness that lasts
no longer than 30 minutes.
Braucht es ein Röntgenbild?
Nicht unbedingt, und schon gar nicht als Erstes. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt, wie die Diagnose zustande kommt — und was am Anfang entfallen kann:
Bei der Diagnosestellung empfehlen wir die gezielte Anamnese, die
körperliche Untersuchung und die Interpretation von Röntgenbildern zu
integrieren.
Für die initiale Versorgung kann zunächst auf eine Bildgebung verzichtet werden.
NICE geht einen Schritt weiter und rät davon ab, Bildgebung routinemäßig zur Diagnose einzusetzen — es sei denn, es gibt untypische Zeichen oder Hinweise auf eine andere oder zusätzliche Erkrankung (Empfehlung 1.1.2).
Das hat einen Grund, der für Sie wichtiger ist als die Frage nach dem Bild: Die Behandlung richtet sich nach Ihren Beschwerden und danach, was Sie im Alltag können — nicht nach dem Grad des Verschleißes auf einer Aufnahme. NICE formuliert das als Satz, den Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten erklären sollen: „management should be guided by symptoms and physical function" (Empfehlung 1.2.2).
Ein Röntgenbild kann also dazugehören — vor allem, wenn eine Operation im Raum steht oder etwas nicht ins Bild passt. Es ist aber nicht der Maßstab dafür, wie es Ihnen geht.
Wann Sie nicht warten sollten
Arthrose entwickelt sich über Jahre. Einige Zeichen passen nicht dazu und gehören zeitnah untersucht, weil etwas anderes dahinterstecken oder dazukommen kann. NICE nennt sie „atypical features":
- eine Verletzung in der jüngeren Vergangenheit
- Morgensteifigkeit, die deutlich länger als 30 Minuten anhält
- eine rasche Verschlechterung oder eine sichtbare Fehlstellung
- ein heißes, geschwollenes Gelenk
- Fieber, Krankheitsgefühl oder andere Anzeichen einer Infektion
In diesen Fällen: nicht auf den nächsten freien Termin in drei Wochen warten, sondern das dem Praxisteam so sagen.
Was im Gelenk passiert
Die Knochenenden eines Gelenks sind mit Knorpel überzogen; dazwischen liegt die Gelenkflüssigkeit. Bei Arthrose verliert der Knorpel an Dicke und Glätte, und das Gelenk reagiert darauf — mit Schmerz, mit Steifigkeit, manchmal mit Schwellung.
Was das für die Behandlung bedeutet und warum die wirksamsten Maßnahmen keine Spritze sind, steht auf den nächsten Seiten.
Und dann?
Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiederfinden, ist der nächste Schritt ein Termin — und der lohnt sich vorbereitet.
Quellen: National Institute for Health and Care Excellence, Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management, NICE guideline NG226, 19.10.2022 — Empfehlungen 1.1.1, 1.1.2, 1.2.2 und Begriffsdefinition „atypical features". Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., Prävention und Therapie der Gonarthrose, S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 187-050, Version 5.0 vom 15.07.2024, Empfehlung 10. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Gelenke verstehen
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