Operation bei Arthrose
Gut informiert.
Gemeinsam entscheiden.
Wenn eine Operation im Raum steht, zählen Ihre Beschwerden, Ihr Alltag und Ihre Erwartungen. Verschaffen Sie sich einen Überblick und nehmen Sie die richtigen Fragen mit ins Gespräch.
Ihre Ziele.
Ein Gespräch auf Augenhöhe.
Was möchten Sie in Ihrem Alltag wieder können?
Ein Spaziergang, die Treppe zu Hause oder die Arbeit im Garten: Ihre persönlichen Ziele gehören ins Gespräch. Hier erfahren Sie, wann ein Gelenkersatz zur Sprache kommt und was Sie vor einer Entscheidung mit Ihrer Praxis klären sollten.
Wann ein Gelenkersatz in Frage kommt
Zwei Bedingungen, die zusammenkommen müssen — so beschreibt es NICE:
Consider referring people with hip, knee or shoulder osteoarthritis
for joint replacement if: their joint symptoms (such as pain,
stiffness, reduced function or progressive joint deformity) are
substantially impacting their quality of life and non-surgical
management (for example, therapeutic exercise, weight loss, pain
relief) is ineffective or unsuitable.
Erstens: Die Beschwerden beeinträchtigen Ihre Lebensqualität erheblich. Zweitens: Die Behandlung ohne Operation — Bewegung, Gewicht, Schmerzmittel — hat nicht gereicht oder kommt nicht in Frage. Das Röntgenbild steht nicht in dieser Liste. NICE rät sogar ausdrücklich, für die Entscheidung die klinische Beurteilung zu nutzen statt Punktesysteme, die den Schweregrad in Zahlen fassen (1.6.2).
Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt, wie die Entscheidung fallen soll:
Wir empfehlen, dass bei fortgeschrittener Gonarthrose die
Indikation zur Knie-Endoprothese gemeinsam geprüft wird und dass
Ärzt*innen und Patient*innen vor einer Operation gemeinsam
besprechen, welche Ergebnisse erwartet werden können und welche
nicht.
Was vorher besprochen gehört
Wer vor der Entscheidung für eine Knieprothese steht, soll laut S3-Leitlinie aufgeklärt werden über
- das Prinzip der Knieendoprothese
- die im individuellen Fall empfohlene Technik (inkl. Implantattyp, Patellaersatz, Ausrichtung)
- den typischen Behandlungsablauf
- das erwartbare Ergebnis
— und dann kommt der Satz, der den Unterschied macht: „Wir empfehlen, die Patient*innenerwartungen explizit zu erfragen und gemeinsam die Wahrscheinlichkeit der Realisierung dieser Erwartungen an die Knieendoprothese zu besprechen" (Empfehlung 49).
Nehmen Sie also Ihre Erwartungen mit in das Gespräch, konkret: Wandern ohne Schmerz? Knien im Garten? Treppen ohne Geländer? Und lassen Sie sich sagen, was davon wahrscheinlich ist.
Ihre Erwartungen konkret machen.
Notieren Sie, welche Tätigkeit Ihnen besonders wichtig ist. Fragen Sie nach dem erwartbaren Ergebnis, den persönlichen Risiken und dem Weg zurück in Ihren Alltag.
Ihre Fragen für die Praxis sammelnWas kein Grund ist, Sie auszuschließen
NICE zählt auf, weshalb niemand von der Überweisung zum Gelenkersatz ausgeschlossen werden soll (1.6.3):
- Alter
- Geschlecht
- Rauchen
- Begleiterkrankungen
- Übergewicht oder Adipositas, gemessen etwa am Body-Mass-Index
Das heißt nicht, dass diese Faktoren keine Rolle spielen: Die Risiken einer Operation können davon abhängen, und das soll mit Ihnen besprochen werden (1.6.4). Die S3-Leitlinie sagt es für den Teilgelenkersatz bei Übergewicht so: Das Risiko einer erneuten Operation ist erhöht, „der Gewinn an Funktion und Lebensqualität ist jedoch mit nicht übergewichtigen Patient*innen vergleichbar" — und „ein generelles Vorenthalten einer unikondylären Knieendoprothese ist nicht gerechtfertigt" (Empfehlung 65).
Was Sie vorher selbst tun können
Zwei Empfehlungen der S3-Leitlinie richten sich direkt an Sie, wenn eine Knieprothese ansteht:
- Nicht rauchen. „Eine mindestens vierwöchige Nikotinkarenz vor OP ist empfohlen" (Empfehlung 50).
- Bei Diabetes den Blutzucker einstellen. Die Leitlinie empfiehlt, die Werte vor der Operation entsprechend der vereinbarten Therapieziele einzustellen; „ein HbA1c-Wert unter 8% sollte angestrebt werden" (Empfehlungen 51 und 52).
Und was für die gesamte Behandlung gilt, gilt auch hier: Jedes Kilo weniger entlastet das Gelenk — vor und nach der Operation. Mehr dazu unter Ernährung und Gewicht.
Was nicht empfohlen wird
Die Gelenkspiegelung zum „Säubern": „Die alleinige Arthroskopie mit Lavage und/oder Débridement wird Patient*innen mit klinisch und radiologisch gesicherter Gonarthrose nicht empfohlen" (S3, Empfehlung 45). NICE ebenso: „Do not offer arthroscopic lavage or debridement to people with osteoarthritis" (1.7.1).
Knorpelaufbauende Operationen: „Aufgrund fehlender Evidenz kann keine Empfehlung für knorpelregenerative Operationen bei Patient*innen mit Gonarthrose abgegeben werden" (S3, Statement 47).
Anders die Achskorrektur: Bei einer O-Bein-Stellung und nicht zu weit fortgeschrittener Arthrose „kann eine korrigierende hohe Tibiakopfosteotomie (HTO) durchgeführt werden" (S3, Empfehlung 48) — ein gelenkerhaltender Eingriff, der die Belastung im Knie verlagert. Ob das für Sie in Frage kommt, hängt vom Befund ab.
Kann eine Spritze die Operation hinauszögern?
Das wird oft behauptet — auch auf der früheren Fassung dieser Website. Belegt ist es für Crespine Gel nicht, und die Zweckbestimmung zielt auf Beschwerden, nicht auf den Verlauf der Erkrankung. Wir haben die Aussage deshalb gestrichen; warum, steht unter Häufige Fragen.
Was Sie zu einem Gelenkersatz fragen sollten, gehört in das Gespräch mit Ihrer Praxis. Die Vorbereitung dafür ist dieselbe wie beim ersten Termin.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., Prävention und Therapie der Gonarthrose, S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 187-050, Version 5.0 vom 15.07.2024, Empfehlungen 12, 45, 48, 49, 50, 51, 52 und 65, Statement 47. National Institute for Health and Care Excellence, NICE guideline NG226, 19.10.2022, Empfehlungen 1.6.1 bis 1.6.4 und 1.7.1. Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch.
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Mit der Termincheckliste sammeln Sie Ihre Fragen und persönlichen Ziele. Zum Ankreuzen, Ausdrucken und Mitnehmen in Ihre Praxis.
