Neun Übungen für Knie, Hüfte und Rücken. Mit Bildern, die jeden Schritt zeigen – und Übungsblättern, die Sie mitnehmen können.
Gut vorbereitet beginnen.
Wählen Sie die passenden Übungen und den Umfang gemeinsam mit Ihrer Praxis oder Physiotherapie. Die Wiederholungen sind Orientierungswerte. Beginnen Sie langsam, ohne Schwung und in einem angenehmen Bewegungsbereich. Nutzen Sie einen festen Stuhl ohne Rollen und eine rutschfeste Unterlage.
Wann Sie pausieren sollten
Bei stechenden, neuen oder deutlich zunehmenden Schmerzen beenden Sie die Übung und halten Rücksprache. Nach einer Operation oder bei einem akut geschwollenen, überwärmten Gelenk zuerst die behandelnde Praxis fragen.
Die Bewegungsanleitungen wurden anhand dieser Patienteninformationen zusammengestellt. Texte und Illustrationen sind für diese Gelenkschule neu erstellt. Stand: 22.09.2026.
Bei Arthrose fühlt man sich schnell ausgeliefert: Der Knorpel ist
abgenutzt, daran lässt sich nichts ändern, und die Behandlung liegt bei
anderen. Das stimmt nur zur Hälfte. Der am besten belegte Teil der
gesamten Arthrosebehandlung ist der, den Sie selbst machen.
Das ist keine Vertröstung. Es ist die Stelle, an der die deutsche
S3-Leitlinie am deutlichsten wird — deutlicher als bei jeder Spritze,
auch bei unserer.
Bewegung
Die Leitlinie unterscheidet in ihrer Sprache zwischen „Wir empfehlen"
und dem schwächeren „Wir schlagen vor". Zur Bewegungstherapie sagt sie:
Wir empfehlen, bei Patient*innen mit Gonarthrose eine an die
individuellen Bedürfnisse angepasste Bewegungstherapie durchzuführen.
Früh anfangen, nicht erst wenn nichts mehr geht
Die Leitlinie empfiehlt, „frühzeitig ein regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining nach Anleitung durchzuführen". Früh heißt: nicht erst, wenn das Gelenk den Alltag bestimmt.
Angeleitet beginnen, allein weitermachen
Die Leitlinie schlägt vor, dass die Bewegungstherapie „unter Aufsicht durchgeführt werden sollte" — und empfiehlt dann ausdrücklich, „erlernte hilfreiche Übungen eigenständig mit gelegentlicher Ergebnisprüfung durchzuführen".
Angepasst, nicht nach Schema
Empfohlen wird „eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Bewegungstherapie". Welche Übung für Sie passt, hängt vom Befund ab, von der Muskulatur und davon, was Sie im Alltag durchhalten.
Der Satz, den kaum jemand kennt
Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass Patientinnen und Patienten
darauf hingewiesen werden sollen, dass Gelenkschmerzen zu
Beginn der Bewegungstherapie zunehmen können — und dass
regelmäßige Bewegung den Gelenken trotzdem guttut.
Leichte, vorübergehende Beschwerden können am Anfang vorkommen.
Stechende, neue oder deutlich zunehmende Schmerzen sind dagegen ein
Anlass, die Übung zu beenden und Rücksprache zu halten. Bei einer
aktivierten Arthrose: Wenn das Gelenk geschwollen und
überwärmt ist, gehört das ärztlich beurteilt, bevor Sie weitertrainieren.
Im Wasser
Die Leitlinie schlägt aquatische Bewegungstherapie vor, „zur Reduktion
von Schmerzen, zur Verbesserung der Funktion und Steigerung der
Lebensqualität". Wasser nimmt dem Gelenk einen Teil des Körpergewichts
ab — für viele der Unterschied zwischen „geht nicht" und „geht".
Gewicht
Hier wird die Leitlinie ungewöhnlich konkret. Nach der Empfehlung zur
Gewichtsreduktion bei Übergewicht steht ein Satz, der sonst selten so
direkt formuliert wird:
Jede Abnahme in Richtung Normalgewicht bedeutet weniger Schmerzen,
bessere Beweglichkeit und langsamere Arthroseprogression.
Jede Abnahme. Nicht erst ab zehn Kilo, nicht erst ab
Normalgewicht. Das ist die vermutlich wirksamste Maßnahme auf dieser
Seite — und die unbequemste.
Sport
„Sportliche Aktivität ist für Personen mit Gonarthrose empfehlenswert",
sagt die Leitlinie, und zwar in der starken Form. Gleichzeitig empfiehlt
sie, „unphysiologische und kniebelastende Aktivitäten im Alltag, im
Beruf und Sport zu vermeiden".
Das ist kein Widerspruch, sondern eine Unterscheidung: Bewegung ja,
Überlastung nein. Wo die Grenze liegt, ist individuell — und eine Frage
an die Praxis, nicht an eine Website.
Wovon die Leitlinie abrät
Nicht alles, was bei Arthrose angeboten wird, ist empfohlen. Drei
Dinge nennt die Leitlinie ausdrücklich:
Wir empfehlen keinen routinemäßigen Einsatz von Schuhzurichtungen
oder Gonarthrose-Orthesen.
Dasselbe gilt für Tape (Empfehlung 32). Ausnahmen nennt die Leitlinie —
aber erst, wenn Bewegungstherapie allein nicht gereicht hat, bei
wesentlicher Gelenkinstabilität oder abnormaler Belastung.
Gehhilfen werden anders bewertet: Sie vorzuschlagen,
„zur Entlastung in Erwägung zu ziehen", ist eine befürwortende
Empfehlung. Ein Stock ist kein Eingeständnis, sondern eine Entlastung.
Ihre Übungen gemeinsam planen
Die Leitlinie empfiehlt, Übungen unter Anleitung zu erlernen und dann
eigenständig weiterzumachen. Die Bilder und Übungsblätter oben helfen
Ihnen, sich an die gemeinsam ausgewählten Bewegungen zu erinnern.
Welche Übungen passen zu meinem Alltag?
Wie oft und wie lange soll ich üben?
Wann sollte ich wieder Rücksprache halten?
Notieren Sie die Antworten gemeinsam mit Ihrer behandelnden Praxis oder Physiotherapie.
Ihre Fragen zum Mitnehmen
Die Checkliste für Ihren Praxistermin bietet Platz für Ihre Fragen. Sie lässt sich ankreuzen und ausdrucken.
Dazu gehört eine ehrliche Einordnung, auch wenn sie nicht für uns
spricht. Zur intraartikulären Hyaluronsäure kann die S3-Leitlinie
„aufgrund der widersprüchlichen Evidenz keine Empfehlung" abgeben. Das
ist etwas anderes als eine Empfehlung dagegen — aber es ist auch keine
Empfehlung dafür.
Zur Bewegungstherapie sagt dieselbe Leitlinie „Wir empfehlen". Wer
beides nebeneinanderlegt, sieht, was zuerst kommt: Eine
Injektion ersetzt die Gelenkschule nicht. Sie kann höchstens
dazukommen.
Alle Zitate aus: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie e.V., Prävention und Therapie der Gonarthrose,
S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 187-050, Version 5.0 vom 15.07.2024.
Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch und keine
physiotherapeutische Anleitung.